Es ist schon erstaunlich, wie schnell und weitgehend widerstandslos sich Bankkunden mit der Tatsache abgefunden haben, dass sie kaum noch Zinsen auf ihr Erspartes bekommen. Auch Kreditnehmer haben sich rasch daran gewöhnt, dass sie für ihre Finanzierungen nur sehr niedrige Zinsen bezahlen müssen. Doch dass die Zinsen nun eine Weile im Keller waren, bedeutet nicht, dass sie dort auch bleiben. Vielmehr sehen Experten immer mehr Anzeichen, dass die Leitzinsen schon bald wieder steigen werden. Das freut Sparer, kann für Kreditnehmer aber zum Problem werden.

Wir nennen Ihnen die drei wichtigsten Gründe, warum die Zinsen bald wieder anziehen dürften – und sagen Ihnen, was Sie jetzt tun können, um sich die historisch günstigen Konditionen noch für eine ganze Weile zu sichern.

Grund Nummer 1 für steigende Zinsen: Die Konjunktur brummt, die Inflation zieht an

Deutschlands Wirtschaft boomt seit Jahren, und auch in anderen europäischen Ländern gibt es inzwischen ein deutlich spürbares Wachstum. Eine Motivation für die Europäische Zentralbank (EZB), die Leitzinsen auf Null zu senken, war die gewünschte Ankurbelung der Wirtschaft. Billige Kredite, so der Plan, sollten zu neuen Investitionen und mehr privatem Konsum führen. Der Plan ging zumindest teilweise auf, so dass es nun immer weniger Gründe für extrem niedrige Leitzinsen gibt. Dazu passt, dass die Inflation in der Euro-Zone zuletzt deutlich angezogen hat. Mit einem Wert von 1,9 Prozent liegt sie aktuell fast exakt bei der Zielmarke der EZB in Höhe von 2 Prozent. Auch das ist ein Argument für die Währungshüter, an der Zinsschraube zu drehen.

Grund Nummer 2: Die Zentralbank braucht Handlungsspielraum

Änderungen beim Leitzins sind das mächtigste Instrument, das einer Zentralbank zur Verfügung steht. Rund um den Globus haben die Währungshüter nach der großen Finanzkrise 2007 / 2008 massiv die Zinsen gesenkt, um einen Zusammenbruch der Weltwirtschaft zu verhindern. Das ist gelungen – doch eine Rückkehr zur Normalität steht noch aus. Das bedeutet: Käme es heute erneut zu einer vergleichbaren Krise, hätten die Notenbanken kaum Handlungsspielraum. Um ihn zurückzugewinnen, müssen sie die Leitzinsen spürbar anheben.

Grund Nummer 3: Die USA geben den Takt vor

Traditionell vollziehen die Notenbanken in anderen Teilen der Welt nach, was die USA vorgemacht haben. Es gibt bislang kaum Anzeichen, dass sich daran etwas geändert hat. Und da die US-Notenbank Fed seit Ende 2015 bereits drei Mal die Zinsen erhöht hat, dürfte die EZB schon bald mit weiteren Schritten folgen.

Was Kreditnehmer jetzt tun sollten

Wer einen laufenden Kreditvertrag hat, braucht keine Verteuerung seiner Zinsen zu befürchten. Der Effektivzins ist für die gesamte Laufzeit festgeschrieben, eine einseitige Anpassung durch die Bank ist nicht möglich. Problematisch kann es jedoch bei Immobilienfinanzierungen werden, die in einigen Jahren auslaufen. Dann wird das Zinsniveau vermutlich deutlich höher liegen als heute – mit der Folge, dass fürs Eigenheim spürbar höhere Monatsraten fällig werden. Wer die Möglichkeit dazu hat, sollte deshalb am besten schon heute die günstigen Zinsen für zehn Jahre festschreiben lassen und eine entsprechende Anschlussfinanzierung frühzeitig mit der Bank vereinbaren.

Für alle, die in nächster Zeit größere Anschaffungen finanzieren wollen, gilt: Am besten jetzt kurzfristig den erforderlichen Kredit unter Dach und Fach bringen. Solange das Zinsniveau noch so tief im Keller ist, können sehr günstige Darlehen auch mit längeren Laufzeiten von sechs, sieben oder acht Jahren abgeschlossen werden. Verbraucher, die zu lange zögern und erst nach der nächsten Zinsanpassung der EZB aktiv werden, müssen wahrscheinlich schon sehr viel mehr Zinsen bezahlen.

Deshalb gilt: Lieber jetzt ohne Zeitdruck verschiedene Kreditangebote vergleichen, das beste Darlehen auswählen und dann die Top-Zinsen durch eine rechtzeitige Unterschrift unter den Kreditvertrag für die nächsten Jahre sichern.