Die Tücken der 0-Prozent-Finanzierung

0-Prozent-Finanzierung - wirklich so günstig?Auto, Fernseher oder Waschmaschine werden nur selten bar bezahlt – eine 0-Prozent-Finanzierung gehört in vielen Fällen fast automatisch dazu. Der eigentliche Kaufpreis taucht in der Werbung oft nur noch ganz klein am Rand auf.

Im Mittelpunkt steht die kleine Monatsrate, die sich scheinbar jeder leisten kann.

Klar ist: Weniger als 0 Prozent Zinsen sind nicht möglich. Trotzdem wird der Kauf oft teurer als nötig. Und ganz kritisch wird die Situation, wenn das gekaufte Produkt zurückgegeben wird. Der Kredit läuft dann nämlich trotzdem weiter.

„Billiger“ Kredit für mehr Umsatz

Der Handel will auf das Instrument der Finanzierung zu – angeblich – 0 Prozent nicht mehr verzichten. Ein großer Anteil der Kunden würde zum Beispiel die neueste Generation der Unterhaltungselektronik nicht kaufen, wenn das Geld sofort bar auf den Tisch gelegt werden müsste. Die Werbung mit den kleinen monatlichen Raten schafft also die entscheidenden Kaufanreize.

Den Kredit für die Anschaffung vergibt nicht der Händler, sondern eine Bank. Dass Banken kein Geld zu verschenken haben, dürfte klar sein. Und so stellt sich die Frage: Wie funktioniert das Modell der 0-Prozent-Finanzierung eigentlich?

Die Antwort: In Wahrheit ist das Darlehen gar nicht zinsfrei.

0-Prozent-Finanzierung für den Kauf eines FernsehersDie Wahrheit über die 0-Prozent-Finanzierung

Wie für jeden anderen Kredit müssen auch hier Zinsen gezahlt werden. Nur übernimmt in diesem Fall der Händler, der ein Produkt verkaufen möchte, die Zinszahlungen. Damit sich das für ihn rechnet, legt der Händler einen entsprechend höheren Kaufpreis zugrunde.

Der Fernseher kostet dann nicht mehr 500 Euro, sondern 550 oder 600 Euro. Weil das bei langen Laufzeiten nur geringe Auswirkungen auf die Monatsraten hat, stören sich die Kunden nicht daran.

Ein vermeintliches Schnäppchen, das man scheinbar zum Nulltarif finanziert, kann also in Wahrheit ziemlich teuer sein. Ein einfacher Preisvergleich im Internet hat schon so manchem Kaufinteressenten die Augen geöffnet.

Zwei separate Verträge

Der heimliche Aufschlag auf den Preis ist aber keineswegs das einzige Problem im Zusammenhang mit der 0-Prozent-Finanzierung. Rechtlich gesehen handelt es sich beim Kauf des Produktes und bei der Aufnahme des Darlehens um zwei getrennte Geschäfte. Neben dem Kaufvertrag kommt ein separater Kreditvertrag zustande. Und genau hier droht eine Falle.

Zeigt das gekaufte Produkt nämlich nach einiger Zeit Mängel und will der Kunde die Ware deshalb zurückgeben, bleibt der Kreditvertrag bestehen – selbst wenn der Kaufvertrag mit dem Händler aufgelöst wird. Der Verbraucher muss dann einen Kredit abbezahlen, für den er überhaupt nicht mehr braucht.

Verbraucherschützer warnen

Verbraucherschützer raten deshalb von 0-Prozent-Finanzierungen ab. In der Tat zeigen Vergleichstests: Mit einem normalen Ratenkredit und einem Preisvergleich im Internet kommen Käufer unter dem Strich meist günstiger ans Ziel. Und wer darauf achtet, dass bei seinem Darlehen kostenlose Sondertilgungen möglich sind, der kann sich aus seinem Kreditvertrag jederzeit verabschieden, wenn er keine Finanzierung mehr braucht.
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