Soll das Bargeld abgeschafft werden?

Bargeld als Schweizer Kredit„Zahlen Sie bar oder mit Karte?“ – womöglich gehört diese Frage bald der Vergangenheit an. Denn immer wieder tauchen Berichte darüber auf, dass Regierungen und Notenbanken eine Abschaffung des Bargelds planen. Langfristig, so heißt es, solle der Zahlungsverkehr nur noch elektronisch abgewickelt werden.

Klingt wie Science-Fiction? Keineswegs. Ein Blick in europäische Nachbarländer genügt, um sich klar zu machen: Das Ende des Bargeld-Zeitalters hat möglicherweise schon begonnen. Die dänische Zentralbank zum Beispiel druckt angeblich bereits kein neues Bargeld mehr. Unternehmen aus verschiedenen Branchen wie zum Beispiel Restaurants oder Tankstellen sind nicht mehr verpflichtet, Bares anzunehmen. Größere Summen können Kunden auch in anderen Ländern ausschließlich bargeldlos bezahlen. In Griechenland zum Beispiel liegt die Grenze bei 1.500 Euro, in Italien sogar bei nur 1.000 Euro.

Erst kürzlich machte der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble mit einem Vorstoß von sich reden, der in eine ähnliche Richtung geht: Größere Summen, nämlich mehr als 5.000 Euro, sollten nicht mehr bar beglichen werden können, wünschte sich der Minister. Schäuble „verkaufte“ das als Instrument im Kampf gegen Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung.

Der mögliche Abschied vom Bargeld wird natürlich nicht von heute auf morgen vollzogen. Vielmehr gibt es viele kleine Schritte, die am Ende jedoch auf dasselbe Ziel hinauslaufen. Einer dieser Schritte wurde erst kürzlich von der EU verkündet: Die neue Geldwäscherichtlinie sieht vor, dass Händler Kunden bereits ab einer Summe von 10.000 Euro „identifizieren“ müssen. Bislang lag der Grenzwert bei 15.000 Euro.

Eine „Volkspetition“ setzt sich für den Erhalt des Bargelds ein. Die Initiatoren schreiben: „Im Interview mit dem SPIEGEL hat der Wirtschaftsweise Peter Bofinger eine erneute Debatte um die Abschaffung des Bargeldes losgetreten: Bei den heutigen technischen Möglichkeiten sei Bargeld „ein Anachronismus“, also schlichtweg überflüssig und überholt. Deshalb fordert er dessen Abschaffung, was nichts anderes als die klammheimliche Auflösung unserer bürgerlichen Freiheit bedeutet!“

Rund 120.000 Menschen haben die Petition bereits unterzeichnet – sie läuft allerdings auch schon seit gut zehn Monaten. Der ganz große Aufschrei, so kann man schlussfolgern, ist angesichts der möglichen Bargeld-Abschaffung also bislang ausgeblieben.

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