Die aktuelle Niedrigzinsphase treibt seltsame Blüten: Landwirte bekommen von der Rentenbank einen Bonus, wenn sie einen Kredit aufnehmen. Faktisch können die Bauern also ein Darlehen mit negativen Zinsen aufnehmen, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung und das Handelsblatt berichten.

Negative Kreditzinsen bald für jeden?

Bedeutet das einen Schritt zu „Negativzinsen für alle“? Nein, leider (oder zum Glück) nicht. Verbraucher werden auch weiterhin Zinsen zahlen müssen, wenn sie sich Geld von der Bank leihen – statt Zinsen dafür zu bekommen. Verbraucher haben ihr Konto allerdings in der Regel auch bei einer „normalen“ Bank, die Gewinn erwirtschaften will und muss.

Die Rentenbank hingegen ist gemeinnützig organisiert und darf deshalb keinen Überschuss erzielen. Da sie gleichzeitig eng mit dem Bund verbunden ist und deshalb zu Topkonditionen Geld am Kapitalmarkt bekommt, ergibt sich eine besondere Situation: Die Leitzinsen der Europäischen Zentralbank liegen bei 0.4 Prozent. Ähnlich günstig (also mit negativem Zins) kann sich die Rentenbank frisches Geld besorgen. Sie würde also Geld verdienen, sobald sie sich Geld für ihre Kunden leiht. Den Vorteil der negativen Zinsen will die Rentenbank an die Landwirte weitergeben und bietet deshalb ebenfalls Kredite mit Zinsen von weniger als null Prozent an.

Bonus zu jedem Kredit von der Rentenbank

Was auf den ersten Blick recht simpel klingt, ist allerdings in der Praxis recht kompliziert, wie die Rentenbank erkennen musste. Ähnliche wie andere Förderbanken (zum Beispiel die Kfw) vergibt die Rentenbank Kredite nämlich nicht direkt, sondern über die jeweiligen Hausbanken. Und diese sind zumeist schon rein technisch gar nicht auf negative Zinsen eingestellt. Bis sich das ändert, bekommen Landwirte deshalb von der Rentenbank mit jedem Kredit einen Bonus. Er beträgt aktuell ein Prozent der Kreditsumme und führt de facto zu einem Negativzins. Bauer müsste man sein…